Türkiyes Vision für eine neue Ära der globalen Zusammenarbeit

    (Dieser Gastbeitrag wurde von der Türkischen Botschaft in Bern im Namen von Türkiye dem Gastgeberland der COP31 verfasst.)

    Die 31. Konferenz der Vertragsparteien des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (COP31), die vom 9. bis 20. November 2026 in Antalya (Türkiye) stattfindet, fällt in einen entscheidenden Moment für den globalen Klimaschutz. Mehr als ein Jahrzehnt nach der Annahme des Übereinkommens von Paris steht die internationale Gemeinschaft vor einer grundlegenden Herausforderung: Jahrelange Verhandlungen, Verpflichtungen und ehrgeizige Ziele in konkrete, messbare Fortschritte umzusetzen.

    Angesichts des näher rückenden Jahres 2030 wird die Dringlichkeit immer deutlicher, die Emissionsminderung zu beschleunigen, erneuerbare Energien auszubauen, die Klimaresilienz zu stärken und ausreichende Finanzmittel zu mobilisieren. Die neue Generation der national festgelegten Beiträge (NDCs), in denen die Klimaziele bis 2035 festgelegt werden, markiert einen wichtigen Übergang von der Formulierung ambitionierter Zielsetzungen zur konkreten Umsetzung.

    Gleichzeitig setzen geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten, Sorgen um die Energiesicherheit und Entwicklungsherausforderungen die internationale Zusammenarbeit zunehmend unter Druck. Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer gravierender, insbesondere für vulnerable Bevölkerungsgruppen und Entwicklungsländer, von denen viele mit erheblichen finanziellen und technologischen Einschränkungen konfrontiert sind.

    Vor diesem Hintergrund ist die COP31 mehr als nur eine weitere jährliche Klimakonferenz. Sie bietet die Gelegenheit, das Vertrauen in den Multilateralismus zu bekräftigen, das gegenseitige Vertrauen der Staaten wiederaufzubauen und zu zeigen, dass internationale Zusammenarbeit weiterhin praktische Lösungen für gemeinsame globale Herausforderungen hervorbringen kann. Türkiye geht seine erste COP-Präsidentschaft mit einer klaren Überzeugung an: Das nächste Kapitel der internationalen Klimazusammenarbeit muss nicht nur daran gemessen werden, was die Länder versprechen, sondern auch daran, was sie einlösen.

    Eine innovative Partnerschaft: Vom Mittelmeer bis zum Pazifik

    Eines der markantesten Merkmale der COP31 ist das innovative Partnerschaftsmodell, das Türkiye und Australien durch konstruktiven diplomatischen Dialog und gegenseitiges Verständnis entwickelt haben. Gemäss den vereinbarten Partnerschaftsmodalitäten wird Türkiye die COP31 in Antalya ausrichten, unter der Leitung des Ministers für Umwelt, Urbanisierung und Klimawandel, Herrn Murat Kurum, die Präsidentschaft der Konferenz innehaben und die Aktionsagenda der COP31 leiten. Australien, vertreten durch den Minister für Klimawandel und Energie, Herrn Chris Bowen, als Präsident der Verhandlungen, wird die formellen Verhandlungen in enger Abstimmung mit Türkiye leiten. Australien wird zudem die pazifische Dimension der COP31 leiten und zur Entwicklung der Aktionsagenda beitragen.

    Die Partnerschaft vereint zudem sich ergänzende geografische Perspektiven. Die Lage Türkiyes am Schnittpunkt von Europa, Asien und dem Nahen Osten bildet zusammen mit den umfangreichen Beziehungen des Landes zu verschiedenen Regionen und Ländergruppen eine wertvolle Grundlage für eine inklusive Diplomatie. Das enge Engagement Australiens gegenüber den pazifischen Staaten fügt eine ebenso wichtige Dimension hinzu, insbesondere indem es die Anliegen der vom Klimawandel besonders bedrohten Inselstaaten in den Vordergrund rückt.

    Vom Mittelmeer bis zum Pazifik bietet diese Partnerschaft die Chance, unterschiedliche regionale Prioritäten miteinander zu verbinden, das gegenseitige Verständnis zu stärken und den Konsens zwischen Industrie- und Entwicklungsländern zu erleichtern. Die Wirksamkeit dieser Zusammenarbeit hat sich bereits in den Vorbereitungen auf die COP31 gezeigt.

    Im Laufe des Jahres 2026 haben Türkiye und Australien umfassende Konsultationen mit internationalen Partnern geführt, unter anderem im Rahmen des Petersberger Klimadialogs, des Klimaministertreffens in Kopenhagen und der Tagungen der UNFCCC-Nebenorgane im Juni in Bonn. Auch klimapolitische Begegnungen in der Republik Korea, die London Climate Action Week und der Istanbuler Klimafinanzierungsgipfel boten Gelegenheit, die Gespräche über Umsetzung, Investitionen und internationale Partnerschaften voranzubringen.

    Vorbereitung auf die COP31: Koordinationstreffen in Antalya.
    Vorbereitung auf die COP31: Koordinationstreffen in Antalya.

    Dialog, Konsens und Handeln: Türkiyes Vision für die COP31

    Die COP31-Präsidentschaft Türkiyes wird von drei Grundprinzipien geleitet: Dialog, Konsens und Handeln. Diese Prinzipien spiegeln die Entschlossenheit wider, die COP31 zu einer inklusiven, transparenten und ergebnisorientierten Konferenz zu machen und dabei die unterschiedlichen nationalen Gegebenheiten, Entwicklungsprioritäten und institutionellen Kapazitäten der teilnehmenden Länder zu berücksichtigen. Im Mittelpunkt dieser Vision steht das Konzept einer «Umsetzungs-COP».

    In den vergangenen zehn Jahren hat die internationale Gemeinschaft einen umfassenden Klimarahmen geschaffen, wichtige gemeinsame Ziele angenommen und zunehmend ehrgeizigere nationale Klimapläne entwickelt. Die zentrale Herausforderung besteht heute darin, diese Zusagen in praktische politische Massnahmen, investitionsreife Projekte und messbare Verbesserungen für Menschen, Volkswirtschaften und Ökosysteme umzusetzen. Türkiye versteht die COP31 daher als eine Konferenz, die die Umsetzung voranbringt, statt lediglich weitere Erklärungen hervorzubringen. Dieser Ansatz stützt sich auf zwei sich gegenseitig verstärkende Säulen: die formellen zwischenstaatlichen Verhandlungen und die Aktionsagenda der COP31. Obwohl jede Säule einem eigenen Zweck dient, können Fortschritte in der einen die Ergebnisse in der anderen stärken.

    Ein ebenso wichtiges Element der Vision Türkiyes ist das Bekenntnis zu einem wirklich von den Vertragsparteien getragenen Prozess. Alle Länder müssen die Möglichkeit haben, ihre Prioritäten zu äussern, zu den Diskussionen beizutragen und sich sinnvoll an der Gestaltung der gemeinsamen Ergebnisse zu beteiligen.

    Klimaschutz kann nicht nach einem Einheitsmodell erfolgen. Die Länder unterscheiden sich in ihren Wirtschaftsstrukturen, Energiesystemen, Entwicklungsbedürfnissen und Kapazitäten. Eine erfolgreiche globale Transformation muss diese Unterschiede anerkennen und zugleich an der gemeinsamen Verpflichtung auf die Ziele des Übereinkommens von Paris festhalten. Aus diesem Grund misst Türkiye der gemeinsamen Förderung von Minderung und Anpassung besondere Bedeutung bei, unterstützt durch angemessene Klimafinanzierung, Technologieentwicklung und -transfer sowie Kapazitätsaufbau. Ziel ist es, ein Gefühl gemeinsamer Eigenverantwortung zu fördern, das Vertrauen unter den Vertragsparteien zu stärken und ausgewogene, auf Konsens beruhende Ergebnisse zu erzielen.

    Die Aktionsagenda der COP31: Zusagen in Ergebnisse umsetzen

    Die Aktionsagenda der COP31 bildet das praktische Fundament des umsetzungsorientierten Ansatzes Türkiyes. Aufbauend auf den Fortschritten früherer Klimakonferenzen, darunter der COP30, soll sie die Umsetzung bestehender Klimazusagen beschleunigen, indem sie Regierungen, internationale Organisationen, Finanzinstitutionen, Unternehmen und die Zivilgesellschaft für konkrete Initiativen mobilisiert.

    Die Agenda gliedert sich in zehn Schwerpunktthemen, sechs globale Ziele für 2035, sechzehn Initiativen und dreizehn unterstützende Ergebnisse. Zu ihren Prioritäten zählen der Übergang zu sauberer Energie und die Elektrifizierung, Zero Waste und Kreislaufwirtschaft, klimaresiliente Städte, grüne Industrialisierung, Klimafinanzierung, Jugend und Bildung, Ernährungssicherheit, Ozeane und Meere, resiliente Gesundheitssysteme sowie eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den Rio-Konventionen.

    Die COP31 in Antalya rückt saubere Energie, Kreislaufwirtschaft und Naturschutz in den Fokus.
    Die COP31 in Antalya rückt saubere Energie, Kreislaufwirtschaft und Naturschutz in den Fokus.

    Die Agenda legt zudem konkrete Ziele für 2035 fest, darunter die Erhöhung des Stromanteils am globalen Endenergieverbrauch auf 35 %, die Halbierung des prognostizierten Anstiegs des Siedlungsabfallaufkommens, die Senkung der Energieintensität von Gebäuden um mindestens 25 % und die Steigerung der Zirkularitätsrate auf mindestens 15 %. Diese Ziele spiegeln die Erkenntnis wider, dass Klimaschutz über Emissionsminderungen allein hinausgehen muss. Er muss auch Ressourceneffizienz, nachhaltige Stadtentwicklung, resiliente Infrastruktur, Innovation sowie nachhaltigere Produktions- und Konsummuster fördern.

    Wichtig ist, dass die Aktionsagenda als freiwillige Kooperationsplattform konzipiert ist. Ihre Initiativen begründen für die teilnehmenden Länder keine zusätzlichen rechtlichen Verpflichtungen, Berichtspflichten oder Zusagen. Vielmehr bieten sie Gelegenheiten, bestehende Prioritäten in praktische Projekte und skalierbare Lösungen zu überführen.

    Türkiyes Klimazusagen und nationale Transformation

    Die COP31-Präsidentschaft Türkiyes ist eng mit den eigenen langfristigen Klima- und Nachhaltigkeitszielen des Landes verbunden. Nach der Ratifizierung des Übereinkommens von Paris im Oktober 2021 kündigte Türkiye an, bis 2053 Netto-Null-Treibhausgasemissionen zu erreichen. Dieses Ziel bildet nun die übergeordnete Richtung für den nationalen grünen Wandel. Türkiyes erster aktualisierter NDC, der 2023 angekündigt wurde, legte das Ziel fest, die Treibhausgasemissionen bis 2030 gegenüber dem Business-as-usual-Szenario um 41 % zu senken. Der zweite NDC, der auf der COP30 eingereicht wurde, sieht vor, die Treibhausgasemissionen bis 2035 auf 643 Millionen Tonnen Kohlendioxidäquivalent zu begrenzen. Dieses Ziel deckt alle wichtigen Sektoren und Treibhausgase ab und ist Teil des längerfristigen Pfads des Landes zu Netto-Null-Emissionen.

    Das Land hat zudem wichtige Schritte unternommen, um seinen langfristigen politischen Rahmen zu stärken. Im November 2024 reichte Türkiye seine langfristige Klimastrategie beim UNFCCC-Sekretariat ein, die den Weg zum Netto-Null-Ziel für 2053 aufzeigt. Gestützt wird diese Strategie durch die Strategien und Aktionspläne zur Minderung des Klimawandels und zur Anpassung an den Klimawandel für 2024–2030, die 89 Strategien für Schlüsselsektoren wie Energie, Industrie, Gebäude, Verkehr, Abfall, Landwirtschaft und Forstwirtschaft umfassen.

    Ein bedeutender gesetzgeberischer Meilenstein folgte mit der Verabschiedung des ersten Klimagesetzes Türkiyes im Jahr 2025. Das Gesetz schafft eine rechtliche Grundlage, um die nationale Steuerung der Klimapolitik zu stärken, ein Emissionshandelssystem aufzubauen und den grünen Wandel des Landes voranzubringen. Das nationale Emissionshandelssystem befindet sich derzeit in der Pilotphase; es soll einen marktbasierten Mechanismus zur Unterstützung der Minderung von Treibhausgasemissionen einführen.

    Eine weitere wichtige Entwicklung war die Veröffentlichung der Türkischen Verordnung über die grüne Taxonomie am 24. September 2026. Die Verordnung soll gemeinsame Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftstätigkeiten festlegen, die Finanzierung grüner Investitionen fördern und Greenwashing verhindern. Zusammen sollen diese Massnahmen ein berechenbareres institutionelles und regulatorisches Umfeld für den Übergang Türkiyes zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft schaffen.

    Ausblick…

    Mit Dialog, Konsens und Handeln im Zentrum ist es Türkiyes Ziel, die COP31 in Antalya zu einem Wendepunkt auf dem Weg von Klimaversprechen zu praktischen Fortschritten zu machen – und zu zeigen, dass der Multilateralismus weiterhin spürbare Ergebnisse für Menschen und den Planeten erzielen kann.

    Der Erfolg der COP31 wird letztlich davon abhängen, ob es gelingt, Vertrauen zu stärken, Ressourcen zu mobilisieren und die Umsetzung zu beschleunigen. Der internationalen Gemeinschaft mangelt es nicht an Klimazielen. Entscheidend bleiben der politische Wille, die institutionelle Leistungsfähigkeit, die finanziellen Ressourcen und die internationale Zusammenarbeit, die zu ihrer Erreichung erforderlich sind.

    Die COP31-Präsidentschaft Türkiyes bietet die Chance, diese Herausforderungen mit einem inklusiven und pragmatischen Ansatz anzugehen, der Klimaambitionen mit nachhaltiger Entwicklung, Energiesicherheit, wirtschaftlicher Resilienz und sozialem Wohlergehen verbindet.

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