Ein über hundert Jahre altes Hotel ganzjährig komfortabel zu betreiben, ist zuallererst eine haustechnische Aufgabe. Beim BO Hotel Palazzo in Poreč lässt sich beispielhaft studieren, wie eine historische Gebäudehülle und modernste Anlagentechnik zu einer funktionierenden Einheit verschmelzen. Das 1910 eröffnete Haus – das älteste der Stadt – wurde 2002 von den heutigen Eigentümern umfassend saniert und dabei technisch vollständig neu aufgestellt.

Klima- und Haustechnik hinter historischer Hülle
Die grösste Herausforderung bei der Sanierung lag darin, zeitgemässen Raumkomfort in eine denkmalwerte Struktur einzubringen, ohne diese zu beschädigen. Eingebaut wurde deshalb modernste Klima- und Haustechnik, die diskret in Decken, Schächten und Nebenräumen verschwindet. Heizung, Kühlung, Lüftung und Wasseraufbereitung arbeiten dort unsichtbar, während die restaurierten Oberflächen und die gestalteten Innenräume ungestört ihre Wirkung entfalten. Leitungsführung, Luftauslässe und Technikzentralen mussten dabei so geplant werden, dass sie weder die historischen Decken noch die tragenden Mauern verletzen – ein Abstimmungsaufwand, der weit über einen gewöhnlichen Neubau hinausgeht.
Das Neue und das Alte zugleich
Das Leitmotiv der Eigentümer lautete «et nova et vetera» – also beides, Fortschritt und Herkunft. Technisch bedeutet das: Die ursprüngliche Bausubstanz blieb erhalten, die Gebäudetechnik dahinter wurde auf den aktuellen Stand gebracht. So konnten zwei ergänzende Baukörper entstehen, einer mit Spa und weiteren Zimmern in erster Meerblick-Linie, der andere mit Konferenzräumen und Gastronomieflächen. Beide Erweiterungen erforderten eine durchdachte Einbindung in die bestehenden Versorgungssysteme.
Wir haben das Palazzo nicht einfach übernommen – wir haben Verantwortung für seine Geschichte übernommen. Jedes Jahr, in dem wir es öffnen, schreiben wir sie ein Stück weiter.
Allegra Osmani, Inhaberin
Gerade der Ganzjahresbetrieb stellt hohe Anforderungen an die Technik: Das Haus muss im feuchten istrischen Winter ebenso zuverlässig funktionieren wie im heissen Adria-Sommer. Spa, Pool und die eigene Kulinarik laufen über das ganze Jahr, was eine robuste und zugleich gut regelbare Anlagentechnik voraussetzt.
Komfort in 83 Zimmern und Suiten
Heute gehört das Haus zur BO-Hotelgruppe und verfügt über 83 Zimmer und Suiten, bis hin zur 70 Quadratmeter grossen Presidential Suite. In jedem dieser Räume trifft historischer Charakter auf zeitgenössisches Interior – und auf eine Technik, die individuell steuerbaren Komfort ermöglicht, ohne sich in den Vordergrund zu drängen. Historische Aufnahmen des Originalhotels in den Zimmern erinnern daran, welche Substanz hier technisch ertüchtigt wurde.
Dass die Familie den Betrieb inzwischen in zweiter Generation führt, zeigt, dass die 2002 gewählten technischen Lösungen tragfähig waren. Wer an klaren Tagen von der Terrasse bis nach Venedig oder zu den Alpen blickt, erlebt ein Gebäude, dessen historische Erscheinung und moderne Gebäudetechnik sich gegenseitig stützen statt behindern. Das BO Hotel Palazzo ist damit ein Lehrstück dafür, wie Haustechnik Baukultur am Leben hält.


